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Wege zur Selbstentfaltung (Auszug)


Ödipus Suite

Ödipus Suite ist trotz alles philosophischen Tiefgangs ein Selbsthilfe-Essay. Selbsthilfe ohne Bewusstmachung der kulturellen Strukturen, in die unser Leben eingebettet ist, kann nicht überzeugen.

Menschliche Grösse kann nicht erreicht werden, indem wir uns über die Kultur hinwegsetzen, sondern indem wir die Kultur, die wir internalisiert haben, hinterfragen und bewusst machen. In diesem Sinne hat der Autor fünftausend Jahre Patriarchat metikulös untersucht, um die Grundstrukturen der Gewalt und der emosexuellen Aberrationen herauszufinden, die so bezeichnend sind für unsere Mordkultur.

Er zeigt dies an alten Sagen auf, die er psychoanalytisch untersucht hat, wie zum Beispiel der Ödipus Sage, der Sage von Narziss und der von Orest. Hinausgehend über die Psychoanalyse Sigmund Freuds, zeigt der Autor, dass diese Sagen im Grunde miteinander verknüpft sind und nicht isoliert untersucht werden können bei der Wahrheitsfindung. Man könnte dieses Essay auch als einen Abriss der Psychoanalyse ansehen, wenn es nicht die Theorien Freuds in ihrem Grundansatz schärfstens kritisierte, vor allem seine Theorie vom Ödipus Komplex und der infantilen Sexualität.

Der Autor vertritt die Anschauung, dass Freuds Ideen zur merkantilen Versklavung des neuzeitlichen Konsumkindes entscheidend beigetragen haben, weil Freud das Kind gleichsam einmauerte in die ödipalen Dramatik, die eine unmittelbar kulturelle Dramatik ist, jedoch mit der wahren Natur der Kindersexualität recht wenig zu tun hat.

Hinausgehen über eine philosophisch-analytische Studie trägt der Autor als Jurist sich in diesem Essay mit sozialpolitischen und forensischen Erwägungen, um das Thema Sexualität und Gewalt einmal von einer ganz anderen und für die meisten Menschen eher ungewöhnlichen Perspektive zu beleuchten. Dies führt dazu, die Doppelbödigkeit der aktuellen Debatte über sexuelle Moral zu enthüllen und einen neuen und originellen Ansatzpunkt für Strafrechtsreform zu begründen.